Mittwoch, 17. November 2010

Glyanets / Glanz

Das alte Märchen, der alte Traum, eine Geschichte, die nie zu Ende erzählt sein wird:
Das hübsche Landei, das seine Hochglanz-Qualitäten in der Großstadt erprobt.

Sie sagt sich: "Ich bin schön. Mein Nachbar sagt, ich wär schön. Der Dorf-Fotograph sagt ich bin fotogen und die Dorfzeitung druckt mein Bild. Ich gehe nach Moskau und mache die dicke Kohle als Supermodel!"

Und natürlich fällt sie auf die Schnauze. Das oberflächliche und schnelllebige Moskau von heute trifft die Landpomeranze mit voller Härte. Galya weiß sich zu wehren. Sie geht nicht unter. Oder etwa doch? Hängt wahrscheinlich vom Betrachter ab. Sie schwimmt mit im Strom der koksenden Modefetischisten und Werbetreibenden (was für ein Klischee!). Sie teilt auch mal aus. Und sie ahnt nicht wie dünn der Faden ist, an dem ihr Schicksal hängt.

"Glanz" ist die Geschichte einer überzogen naiven Frau mit großer Klappe, das mit der sozialen Kälte der Megacity Moskau zusammenprallt. Die Gier nach Geld und Ruhm lässt scheinbar die Moralvorstellungen veröden und wird zum Überlebensziel.

Das alte Märchen streift die Moral ab und bekommt hier ein neues Gewand. Der Film ist nicht gerade verstörend oder aufrüttelnd, dazu werden einfach zu viele Klischees bedient. Aber er stimmt nachdenklich. Ist das das Russland von heute? Haben die Mädchen dort also solche Ziele und ist denen jedes Mittel recht?

Das Ende des Films gibt darauf eine klare Antwort - und das erst im Abspann. Großes Ende. Wirklich.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen